Logbuch von Peter Wörner · Radio Offshore ®
Funkkurs Vorbereitung: App, Video und KI
Seit 2015 hat sich nicht nur die Vorbereitung auf SRC, UBI und LRC verändert. Vor allem die Teilnehmer kommen heute mit anderem Vorwissen, anderen Gewohnheiten und manchmal auch mit falscher Sicherheit in den Kurs. Das ist keine Kritik. Es ist eine Beobachtung aus vielen Jahren Präsenzunterricht.
Von Peter Wörner · Radio Offshore ® · Funkkurse mit amtlicher DSV-Prüfung
Als ich 2015 mit Radio Offshore begonnen habe, kamen viele Teilnehmer anders in den Funkkurs als heute. Nicht besser. Nicht schlechter. Anders.
Damals war die Vorbereitung oft überschaubarer. Ein Fragenkatalog. Ein Lehrbuch. Kursunterlagen. Vielleicht ein Tipp aus dem Verein. Wer in den Kurs kam, wusste häufig ziemlich genau: Ich muss das jetzt lernen.
Heute kommt ein Teilnehmer nicht selten mit einer Lern-App, drei YouTube-Videos, einer Meinung aus dem Segelverein, einem Forumseintrag und inzwischen auch mit einer KI-Antwort im Kopf.
Das kann hilfreich sein. Es kann aber auch ein Gefühl erzeugen, das in der praktischen Prüfung nicht trägt.
Mehr Informationen bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit.
Das Funkzeugnis hat sich weniger verändert als die Teilnehmer
Natürlich gab es fachliche Anpassungen. Beim SRC gab es im Oktober 2018 eine Überarbeitung, vor allem mit leichten Änderungen bei Theoriefragen. Auch Prüfungsausschüsse stimmen sich regelmäßig ab und arbeiten an Qualitätssicherung.
Für Teilnehmer ist das im Kursalltag aber kaum als großer Bruch spürbar. Die Grundlogik bleibt dieselbe: Theorie vorbereiten, Gerät bedienen, Funkspruch sauber aufbauen, Ablauf einhalten und in der Prüfung ruhig bleiben.
Der deutlichere Wandel liegt nicht in den Funkzeugnissen selbst. Er liegt bei den Menschen, die heute in den Kurs kommen.
Das SRC ist nicht jedes Jahr neu. Aber die Art, wie Menschen lernen, hat sich deutlich verändert.
Beobachtung aus dem Schulungsraum
App-Wissen ist nützlich. Aber es ist noch kein Funkkurs.
Eine gute Lern-App kann bei der Theorie sehr hilfreich sein. Wer die Fragen vorher sauber durchgearbeitet hat, kommt meist entspannter in den Kurs. Gerade bei SRC und UBI ist das ein klarer Vorteil.
Aber eine App sieht nicht, ob jemand am Gerät sicher wird. Sie hört keinen stockenden Funkspruch. Sie merkt nicht, ob ein Teilnehmer die Reihenfolge wirklich beherrscht oder nur die richtige Antwort im Multiple-Choice-System wiedererkennt.
Vorbereitung kann man allein machen. Prüfungssicherheit entsteht erst, wenn aus Wissen ein sauberer Ablauf wird.
Videos zeigen Abläufe. Sie ersetzen aber kein eigenes Können.
Videos können nützlich sein. Man sieht ein Gerät, hört einen Funkspruch und bekommt einen ersten Eindruck vom Ablauf.
In der Praxis zeigt sich dann aber ein anderer Punkt. Zuschauen ist nicht dasselbe wie selbst bedienen. Einen Funkspruch hören ist nicht dasselbe wie ihn im richtigen Moment selbst sauber aufzubauen.
Das ist kein Vorwurf an Videos. Es ist eine Grenze des Formats.
Im Funkkurs erkenne ich sehr schnell, ob jemand wirklich einen Ablauf beherrscht oder ob er nur wiedererkennt, was er irgendwo schon gesehen hat. Dieser Unterschied ist in der Prüfung entscheidend.
KI kann heute mehr als nur Fragen beantworten
KI kann erklären, was ein SRC ist, wann UBI gebraucht wird, worin sich SRC und LRC unterscheiden oder welcher Kurs für eine bestimmte Ausgangssituation infrage kommt. Das ist hilfreich – und diese Möglichkeiten werden weiter zunehmen.
Gute Informationen müssen deshalb nicht vor KI-Systemen versteckt werden. Im Gegenteil: Wer sich über Funkzeugnisse informiert, soll auch über eine KI eine fachlich saubere Antwort bekommen können. Sie darf Inhalte von Radio Offshore ® einordnen, zusammenfassen und bei der Orientierung berücksichtigen.
Interessant wird das besonders dann, wenn die Frage nicht mehr nur lautet: „Was ist ein SRC?“, sondern sehr konkret wird: Welches Funkzeugnis brauche ich für mein Fahrtgebiet? Kann ich SRC und UBI miteinander verbinden? Was ist sinnvoll, wenn ich bereits ein SRC besitze und jetzt das LRC machen möchte?
Genau bei solchen Fragen kann KI eine gute Vorarbeit leisten. Sie kann Informationen zusammenführen und dabei helfen, den passenden Weg einzugrenzen.
Die Grenze liegt für mich deshalb nicht beim Wissen. Sie liegt dort, wo aus Wissen praktische Handlung werden muss.
Im Schulungsraum sehe ich, wie jemand ein Funkgerät bedient, einen Funkspruch aufbaut und unter Zeitdruck reagiert. Ich merke, wo ein Ablauf noch nicht sitzt, wo eine falsche Gewohnheit entstanden ist oder wo jemand zwar die richtige Antwort kennt, sie praktisch aber noch nicht sicher umsetzen kann.
Dann reicht eine weitere Information nicht. Dann muss ausprobiert, korrigiert und wiederholt werden – manchmal auch auf einem anderen Weg als beim Teilnehmer zuvor.
KI darf viel über Funk erklären. Der Funkkurs beginnt dort, wo aus einer richtigen Antwort ein sicherer Ablauf werden muss.
Zehn Jahre Unterrichtspraxis
Am Puls der Zeit heißt: am Puls der Teilnehmer
Wer regelmäßig unterrichtet, erlebt nicht nur den Stoff. Er erlebt, wie sich Teilnehmer verändern. Welche Fragen sie stellen. Welche Unsicherheiten sie mitbringen. Was sie aus Apps, Videos oder KI übernehmen. Und welche Missverständnisse daraus entstehen.
Genau das geht in Lehrbüchern, alten Kurskonzepten und reinen Onlineangeboten leicht verloren. Ein fachlich gutes Material bleibt fachlich gutes Material. Aber es sieht nicht, wie Menschen heute tatsächlich lernen.
Seit 2015 erlebe ich Monat für Monat Teilnehmer mit sehr unterschiedlichem Hintergrund: Ingenieure, Unternehmer, Projektmanager, Ärzte, Handwerker, Segler, Charterkunden, Menschen aus Feuerwehr, THW, Rettung, Technik oder Verwaltung.
Alle bringen etwas anderes mit. Und alle müssen am Ende vor demselben Punkt bestehen: Funkgerät bedienen, Funkspruch sauber sprechen, Ablauf halten.
Nullwissen ist oft einfacher als falsche Sicherheit
Die anspruchsvollsten Teilnehmer sind nicht immer die Anfänger. Ein echter Anfänger weiß meistens, dass er noch nichts weiß. Wenn er zuhört, die Struktur annimmt und am Gerät mitarbeitet, lässt sich darauf gut aufbauen.
Schwieriger wird es mit falscher Sicherheit. Mit alten Gewohnheiten, halb verstandenen Begriffen, Vereinsmeinungen oder dem Gefühl: „Ich weiß schon ungefähr, wie das läuft.“
In der Funkprüfung ist dieses „ungefähr“ oft der gefährliche Teil. Denn dort zählt nicht, ob jemand schon viel gehört hat. Dort zählt, ob er im richtigen Moment ruhig, klar und vollständig arbeitet.
Nullwissen kann man sauber aufbauen. Falsche Sicherheit muss man zuerst sortieren.
Warum Präsenzunterricht dadurch nicht altmodischer wird
Je mehr digitale Vorbereitung möglich ist, desto klarer muss man unterscheiden: Was kann der Teilnehmer allein leisten – und wofür braucht er Führung?
Theoriefragen kann und soll man vorher selbstständig vorbereiten. Das spart im Kurs wertvolle Zeit. Genau deshalb arbeiten wir bei Radio Offshore am Wochenende nicht bei null los, sondern gehen schnell an die praktische Umsetzung.
Bei SRC und UBI wird an realen Funkgeräten trainiert. Beim LRC arbeiten wir mit professioneller GMDSS-Simulation. Entscheidend ist nicht, dass jemand möglichst viele Begriffe kennt. Entscheidend ist, dass Bedienung, Sprache und Ablauf zusammenkommen.
Und genau dort bleibt Präsenzunterricht aktuell: nicht trotz App, Video und KI – sondern gerade wegen App, Video und KI.
Fazit
Gute digitale Vorbereitung und Präsenzunterricht gehören zusammen
Apps, Videos und KI haben die Vorbereitung auf Funkzeugnisse verändert. Das ist kein Nachteil. Gute digitale Angebote können Wissen schneller zugänglich machen, Fragen klären und dabei helfen, den passenden Weg zum Funkzeugnis zu finden.
Umso klarer wird, was ein Präsenzkurs leisten muss: nicht Informationen wiederholen, die längst verfügbar sind, sondern daraus praktische Sicherheit machen. Am Funkgerät, beim Sprechen, im Ablauf und durch unmittelbare Korrektur.
Wissen darf überall verfügbar sein. Im Funkkurs wird daraus praktische Sicherheit.
Vom SRC bis zum LRC. Die Kursübersicht zeigt, welche Funkzeugnisse bei Radio Offshore ® im Präsenzunterricht geschult werden. Funkzeugnisse im Überblick .