Starlink oder LRC – was brauche ich auf See wirklich?
Starlink funktioniert inzwischen auch weit draußen auf See erstaunlich gut. Brauche ich dann überhaupt noch ein LRC? Die Antwort beginnt einfach – und wird spätestens auf einer Ozeanpassage interessant.
„Ich habe jetzt mein SRC und Starlink an Bord. Eigentlich brauche ich doch gar kein LRC mehr, oder? Und die angekündigte Preiserhöhung bei Starlink wurde doch auch wieder zurückgenommen – das habe ich irgendwo gelesen.“
Am Sonntag fragte mich ein Teilnehmer genau das nach seinem Kurs.
Die Frage ist mir hängen geblieben.
Denn darin steckt einiges von dem, was im Moment viele Skipper beschäftigen dürfte.
Wetterdaten abrufen, E-Mails schreiben, per Messenger erreichbar bleiben oder per Video telefonieren – auf vielen Hochseeyachten gehört das heute zum Alltag. Was vor wenigen Jahren noch kompliziert oder teuer war, läuft inzwischen fast nebenbei.
Warum also noch Grenz- und Kurzwelle? Warum Satellitenseefunk? Und wozu dann überhaupt noch ein LRC?
Die Frage ist berechtigt. Nur werden dabei drei Dinge miteinander verglichen, die unterschiedliche Aufgaben haben.
Die erste Antwort ist überraschend einfach.
Wer Starlink auf seiner Yacht nutzen möchte, braucht dafür kein LRC.
Das war vorher so und ist heute nicht anders.
Daraus folgt allerdings noch nicht, dass Starlink ein LRC ersetzt.
Starlink ist ein Kommunikationsdienst. Er bringt eine schnelle Datenverbindung und damit Internet an Bord – inzwischen auch weit draußen auf See.
GMDSS ist das weltweite System für Seenot- und Sicherheitskommunikation. Dazu gehören verschiedene Funk- und Satellitensysteme sowie festgelegte Verfahren für Alarmierung, Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr.
Das LRC ist ein Funkzeugnis. Es weist die Befähigung nach, die entsprechenden Seefunkanlagen über den Bereich des SRC hinaus zu bedienen und die Verfahren der weltweiten Seenot- und Sicherheitskommunikation anzuwenden.
Damit stehen drei Dinge nebeneinander, die überhaupt nicht derselben Kategorie angehören.
Die Frage „Starlink oder LRC?“ erinnert ein wenig an:
„Brauche ich ein Navigationssystem oder einen Führerschein?“
Der Vergleich erklärt allerdings nur einen Teil der Sache. Denn beim LRC geht es nicht allein um die Berechtigung, bestimmte Geräte zu bedienen. Es geht auch darum, mit diesen Kommunikationsmitteln richtig umzugehen.
Starlink selbst ist kein anerkannter Satellitendienst des GMDSS. Auch mehr als 11.000 Satelliten ändern an diesem Unterschied nichts.
Also kann ich mir das LRC sparen?
Unter Umständen: ja.
Denn selbstverständlich braucht nicht jeder Skipper automatisch ein LRC.
Wer ausschließlich eine UKW-Seefunkanlage im entsprechenden Fahrtgebiet betreibt und keine Funkanlage verwendet, für deren Bedienung das LRC erforderlich ist, braucht nicht allein deshalb ein LRC, weil er weiter hinausfahren möchte.
Wer auf seiner Yacht bewusst auf Grenz- und Kurzwellenfunk sowie entsprechenden Satellitenseefunk verzichtet, kann daraus auch die Konsequenz ziehen, kein LRC zu machen.
Das muss man so deutlich sagen.
Ein LRC ist kein Sicherheitsamulett, das man allein deshalb besitzen muss, weil eine Yacht einen Ozean überquert.
Für mich beginnt die interessantere Frage deshalb schon bei der Ausrüstung:
Auf welche Kommunikationswege möchte ich mich auf See verlassen – und welche möchte ich zusätzlich an Bord haben?
GMDSS ist für weltweite Seefahrt gemacht
Gerade auf einer Ozeanpassage spielt noch ein weiterer Punkt eine Rolle.
GMDSS ist für die internationale maritime Not- und Sicherheitskommunikation geschaffen worden. DSC, Grenz- und Kurzwellenfunk und die entsprechenden Satellitendienste gehören zu einem System, dessen Verfahren über Ländergrenzen hinweg funktionieren.
Auch das LRC steht in diesem internationalen Zusammenhang. Die Prüfungsanforderungen sind innerhalb der CEPT harmonisiert und auf die Bedienung von GMDSS-Funkanlagen auf nicht ausrüstungspflichtigen Schiffen ausgerichtet.
Wer diese Verfahren beherrscht, nimmt also etwas mit auf See, das nicht an der nächsten Landesgrenze endet.
Auf dem Atlantik interessiert mich nicht nur Plan A
Starlink hat die Kommunikation auf Yachten massiv verändert.
Wetterdaten, E-Mail, Messenger, Videotelefonie, Navigation, Kontakt zur Familie oder zum Unternehmen – vieles funktioniert heute auch auf hoher See komfortabel.
Ich halte das für einen großen Fortschritt.
Auf einer Hochseeyacht würde ich meine Kommunikation trotzdem nicht allein danach auswählen, welches System im täglichen Betrieb am bequemsten funktioniert.
Mich interessiert irgendwann zwangsläufig:
Was ist mein Plan B?
Zum Plan B gehören auf See allerdings noch ganz andere Systeme – einige davon werden erst interessant, wenn es wirklich ernst wird.
EPIRB, PLB und SART funktionieren dabei unabhängig vom LRC – für ihre Nutzung ist kein LRC erforderlich.
Wer über Weltmeere segelt, denkt auch in anderen sicherheitsrelevanten Bereichen über Redundanz nach. Die Folgen eines Ausfalls sind mitten auf dem Atlantik schließlich andere als einige Seemeilen vor der Küste.
Wer Starlink als weitreichenden Kommunikationsweg für ausreichend hält und auf weitere entsprechende Funkanlagen verzichtet, trifft damit eine klare Ausrüstungsentscheidung.
Das kann man so entscheiden.
Es ist nur etwas anderes als die Aussage:
„Seit es Starlink gibt, ist das LRC überflüssig.“
Und dann war da noch die Sache mit den 6 Dollar
Die zweite Aussage meines Teilnehmers wollte ich ebenfalls überprüfen.
Er hatte gehört oder gelesen, dass Starlink die angekündigte Preiserhöhung wieder zurückgenommen habe.
Also habe ich nachgesehen.
Stand 30. September 2026 finde ich dafür keine Bestätigung.
Starlink führt für den Ocean Mode bei Roam Unlimited weiterhin die Erhöhung von 2 auf 6 US-Dollar pro Gigabyte seit dem 27. September 2026 auf. Beim Tarif Personal Maritime werden für Ocean Mode ebenfalls 6 US-Dollar pro Gigabyte genannt.
Zehn Gigabyte Datenverkehr auf hoher See bedeuten damit beispielsweise 60 US-Dollar zusätzlich.
Woher die andere Information stammen könnte, lässt sich zumindest nachvollziehen.
Ende August wurde gleichzeitig der Tarif Personal Maritime eingeführt. Er änderte die Nutzungsmöglichkeiten für private Boote in Hoheitsgewässern, nicht aber die Ocean-Mode-Preiserhöhung auf hoher See. Auch das Magazin BOOTE berichtete darüber.
Für Langfahrtcrews ist das durchaus interessant. Eine Rücknahme der Ocean-Mode-Preiserhöhung ist es nicht.
Sobald Starlink mehr als zwölf Seemeilen von der Küste entfernt weiter genutzt werden soll, kommt Ocean Mode ins Spiel. Dort gilt nach den derzeit veröffentlichten Bedingungen weiterhin der erhöhte Preis von 6 US-Dollar pro Gigabyte.
Vielleicht ist genau hier die Verwechslung entstanden.
Und wenn Starlink morgen wieder 2 Dollar kostet?
Dann wäre Starlink günstiger.
An meiner eigentlichen Überlegung für eine Ozeanpassage würde sich nichts ändern.
Welche Kommunikationsmöglichkeiten möchte ich an Bord haben?
Vielleicht reicht mir meine vorhandene Ausrüstung. Vielleicht möchte ich einen weiteren Kommunikationsweg über Grenz- und Kurzwelle oder Satellitenseefunk haben.
Das muss jeder Skipper für seine Yacht und seine Reise entscheiden.
Für mich gehört zu dieser Entscheidung allerdings noch etwas anderes.
Als Skipper trage ich Verantwortung. Deshalb möchte ich nicht nur wissen, ob meine Technik funktioniert, sondern auch, ob ich im entscheidenden Moment richtig kommunizieren kann.
Was würde mir die beste Funk- oder Satellitenverbindung nützen, wenn am Ende genau daran etwas schiefläuft?
Die Technik schafft den Kommunikationsweg. Der Mensch muss wissen, was er daraus macht.
Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert des LRC. Ich lerne nicht nur, bestimmte Geräte zu bedienen. Ich lerne die Verfahren, nach denen weltweite Seenot- und Sicherheitskommunikation funktioniert.
Für mich ist das auch eine Frage der Verantwortung als Skipper.
Was bleibt von der Frage meines Teilnehmers?
Mehr, als ich zunächst gedacht hatte.
Starlink würde für mich auf einer Hochseeyacht heute eine wichtige Rolle spielen. Im täglichen Bordbetrieb ist eine schnelle Datenverbindung kaum noch wegzudenken.
Aber eine funktionierende Verbindung allein beantwortet noch nicht die Frage, wie ich im Ernstfall kommuniziere.
Starlink wäre für mich ein hervorragender Plan A.
Bevor ich ablege, möchte ich wissen, wie mein Plan B aussieht – und ob ich ihn auch beherrsche.