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EPIRB, SART & AIS-SART – was im Seenotfall wirklich passiert
Deine EPIRB sendet plötzlich. Vielleicht absichtlich – vielleicht durch einen Fehlalarm. Was passiert jetzt an Land? Wen ruft die Rettungsleitstelle an? Und wenn du das Schiff verlassen musst: Weißt du eigentlich, wo dein SART liegt?
Genau dort wird aus drei Rettungsmitteln eine reale Rettungskette.
Die interessante Frage beginnt nach dem Auslösen
Eine EPIRB als Notfunkbake zu erkennen, ist noch der einfache Teil. Spannend wird es danach: Was passiert mit dem Alarm? Welche Informationen liegen an Land vor? Wer kann kontaktiert werden? Und was musst du tun, wenn die EPIRB gar nicht hätte senden sollen?
Genau diese Zusammenhänge sind für mich wichtiger als das reine Auswendiglernen von Frequenzen und Abkürzungen.
Peter Wörner · Inhaber und Ausbilder bei Radio Offshore
Drei Fragen, die an Bord tatsächlich wichtig werden
Was passiert nach dem Alarm?
Wer erfährt davon – und weshalb können plötzlich Menschen an Land angerufen werden, die gar nicht auf dem Schiff sind?
Was mache ich, wenn nichts passiert ist?
Ausschalten allein reicht nicht. Ein bereits ausgesendeter Alarm muss gegenüber der zuständigen Rettungsleitstelle aufgeklärt werden.
Wo ist eigentlich mein SART?
Beim Verlassen des Schiffes wird aus einer theoretischen Gerätefrage plötzlich eine Frage nach Lagerort, Mitnahme und Bedienung.
Deine EPIRB sendet – und an Land beginnt die Arbeit
Mit dem 406-MHz-Alarm wird nicht nur irgendein Funksignal ausgesendet. Die EPIRB übermittelt eine eindeutige Beacon-Kennung, über die der Alarm einer registrierten Bake und damit dem zugehörigen Schiff zugeordnet werden kann.
Über das Cospas-Sarsat-System gelangt der Alarm in die internationale SAR-Struktur und schließlich zur zuständigen Rettungsleitstelle.
Dort geht es nicht nur um die Frage „Woher kommt der Alarm?“, sondern sehr schnell auch um: „Welches Schiff steckt dahinter, wer könnte an Bord sein und wer weiß etwas über die aktuelle Reise?“
So läuft die Rettungskette an
Vereinfacht lässt sich der Weg eines 406-MHz-EPIRB-Alarms in fünf Stationen darstellen.
EPIRB
Die Bake sendet ihre digitale Kennung und bei entsprechend ausgestatteten Geräten zusätzlich Positionsdaten.
Satellit
Das Signal wird innerhalb des Cospas-Sarsat-Systems erfasst.
LUT / MCC
Bodenstationen und Mission Control Centres verarbeiten und verteilen die Alarmdaten.
RCC / MRCC
Die zuständige Rettungsleitstelle übernimmt die Bearbeitung des Alarms.
SAR
Aus Position, Registrierung und weiteren Informationen ergibt sich das weitere Vorgehen.
Und dann kann tatsächlich das Telefon klingeln
Die Registrierung einer EPIRB ist keine reine Verwaltungsformalität. Zu einer registrierten Bake gehören Angaben, mit denen die Rettungsleitstelle einen Alarm einem Schiff und seinem Umfeld zuordnen kann.
Dazu können auch Notfallkontakte gehören. Diese Personen können helfen, sehr schnell ein Bild der Situation zu bekommen: Ist das Schiff überhaupt unterwegs? Wer könnte an Bord sein? Welche Reise war geplant? Gibt es eine weitere Möglichkeit, Kontakt mit dem Schiff aufzunehmen?
Die Antwort auf ein solches Telefonat fließt in die Lagebeurteilung ein. Wie mit dem Alarm weiter verfahren wird, entscheidet die zuständige Rettungsleitstelle anhand der insgesamt verfügbaren Informationen.
Genau deshalb sollten Eigentümerwechsel, Rufnummern und hinterlegte Notfallkontakte nicht jahrelang unverändert in einer alten Registrierung stehen.
Fehlalarm der EPIRB – was nun?
Eine EPIRB kann versehentlich aktiviert werden. Das kann bei Arbeiten am Gerät, beim Umgang mit der Halterung oder durch eine ungewollte Auslösung passieren.
Sobald klar ist, dass kein Seenotfall vorliegt, muss gehandelt werden.
EPIRB abschalten
Die unbeabsichtigte Aussendung so schnell wie möglich beenden.
Rettungsleitstelle informieren
Das zuständige RCC beziehungsweise MRCC muss unverzüglich erfahren, dass kein Seenotfall vorliegt und keine Hilfe benötigt wird.
Nur die EPIRB auszuschalten löscht den bereits empfangenen Alarm nicht. Auf der anderen Seite kann zu diesem Zeitpunkt längst eine Abklärung begonnen haben.
Wie meldet man einen Fehlalarm am sinnvollsten?
Dafür gibt es mehr als den Satz „Ich rufe irgendwo an und sage Bescheid“. Entscheidend ist, welche Verbindung zur Verfügung steht, welche Stelle angesprochen wird und welche Angaben sofort erkennen lassen, welcher Alarm aufgehoben werden soll.
Genau solche kleinen, aber im Ernstfall sehr nützlichen Abläufe gehören bei Radio Offshore in die praktische Präsenzschulung für SRC und LRC. Auf der Glossarseite bleibt die entscheidende Regel: Fehlalarm nicht verschweigen, sondern unverzüglich aufklären.
Das Schiff wird verlassen – wo ist jetzt der SART?
Die Rettungsinsel ist im Wasser. Die EPIRB hat alarmiert. Jetzt entsteht ein anderes Problem: Die Rettungskräfte müssen dich auf den letzten Meilen tatsächlich finden.
Auf SOLAS-Schiffen muss ein Search-and-Rescue-Locating-Device so gestaut sein, dass es schnell in ein Überlebensfahrzeug gebracht werden kann, oder es befindet sich bereits dort.
Für einen Skipper ergibt sich daraus eine sehr einfache, aber oft übersehene Frage: Wenn wir das Schiff jetzt verlassen müssen – weiß jeder, wo das Gerät liegt und wer es mitnimmt?
Gefunden werden über Radar
Ein Radar-SART wartet auf ein X-Band-Radarsignal eines suchenden Schiffes oder Luftfahrzeugs und antwortet darauf.
Dadurch entsteht auf dem Radarbild eine charakteristische Darstellung, mit der sich das Rettungsmittel im Nahbereich auffinden lässt.
Gefunden werden über AIS
Ein AIS-SART sendet seine Position als spezielles Search-and-Rescue-Ziel. Geeignete AIS-Empfänger in Reichweite können dieses Ziel darstellen.
Für viele Skipper ist das besonders anschaulich, weil die Position auf einem AIS-fähigen Display oder Plotter sichtbar werden kann.
In der Rettungsinsel zählt Höhe
Ein Radar-SART oder AIS-SART sollte im Rettungsmittel nicht einfach auf dem Boden liegen bleiben.
Das Gerät soll möglichst hoch und frei angebracht werden. Für Search-and-Rescue-Locating-Devices ist deshalb eine Möglichkeit vorgesehen, die Antenne im Survival Craft ungefähr einen Meter über der Wasseroberfläche zu positionieren.
Auf dem Papier wirkt das unscheinbar. In einer Rettungsinsel ist es plötzlich eine sehr konkrete Bedienungsfrage.
Jetzt erst zur Technik
Wer den Ablauf verstanden hat, kann Frequenzen, Kennungen und technische Begriffe wesentlich leichter zuordnen.
406 MHz
Die eigentliche digitale Alarmierung einer modernen EPIRB erfolgt über 406 MHz innerhalb des Cospas-Sarsat-Systems.
Beacon-Kennung
Jede 406-MHz-Bake besitzt eine eindeutige Identität. Über diese Kennung und die Registrierung wird der Alarm dem betreffenden Beacon und damit dem Schiff zugeordnet.
GNSS-Position
Moderne EPIRBs können Positionsdaten aus einem integrierten oder angebundenen GNSS direkt in den Alarmdatensatz einbringen.
121,5 MHz
Viele EPIRBs besitzen zusätzlich ein 121,5-MHz-Homing-Signal, das Suchkräften bei der Nahbereichsortung helfen kann.
Float-free
Bei entsprechend ausgerüsteten Anlagen kann die EPIRB aus ihrer Halterung freikommen und im Untergangsfall automatisch aktiviert werden.
X-Band-Radar
Der klassische Radar-SART reagiert auf Radarimpulse im X-Band und erzeugt daraufhin seine Antwortsignale.
AIS-SAR-Ziel
Der AIS-SART verwendet AIS zur Übermittlung seiner Position und erscheint auf geeigneten Empfängern als besonderes SAR-Ziel.
Und die PLB?
Eine PLB ist nicht einfach eine kleinere EPIRB. Der wesentliche Unterschied liegt in der Zuordnung: Eine EPIRB ist schiffsbezogen, eine PLB personengebunden.
Eine PLB kann deshalb eine sinnvolle zusätzliche Absicherung sein. Sie ersetzt aber nicht automatisch die Rolle einer zum Schiff gehörenden EPIRB.
Was der Skipper regelmäßig kontrollieren sollte
Registrierung
Stimmen Schiff, Eigentümer, Rufnummern und hinterlegte Notfallkontakte noch?
Batterie und Service
Batterie- und Wartungsfristen gehören regelmäßig kontrolliert und nicht erst vor einer größeren Reise entdeckt.
Halterung
Float-free-Halterung, Auslösemechanismus und äußerer Zustand sollten sichtbar geprüft werden.
SART-Lagerort
Nicht nur wissen, dass ein SART vorhanden ist. Wissen, wo er liegt und wie er zur Rettungsinsel kommt.
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Im LRC-Training bei Radio Offshore werden EPIRB, SART und AIS-SART als Teile einer realen Rettungskette behandelt. Dazu gehören auch die kleinen Abläufe, die in einem Fragenkatalog schnell untergehen – bei einem echten Fehlalarm aber plötzlich wichtig werden.