Rote Fallschirm-Signalrakete – die Königsklasse der Seenotsignale
300 Meter Steighöhe. Rund 40 Sekunden Brenndauer. Bei klarer Nacht über 30 Seemeilen sichtbar. Kein anderes pyrotechnisches Seenotsignal des FKN ist so konsequent auf Fernwirkung ausgelegt.
300 Meter hoch. Rund 40 Sekunden am Himmel.
Die rote Fallschirm-Signalrakete bringt ihren Leuchtstern bis in rund 300 Meter Höhe. Dort öffnet sich der Fallschirm und der intensiv rote Leuchtstern sinkt langsam Richtung Meer.
Bei klarer Nacht und guten Sichtbedingungen kann das Signal über 30 Seemeilen weit wahrgenommen werden. Das sind mehr als 55 Kilometer.
Der Fallschirm ist dabei entscheidend: Nach internationalem LSA-Maßstab darf der brennende Leuchtstern mit höchstens 5 Metern pro Sekunde sinken. Höhe + Lichtstärke + Fallschirm + Zeit: Genau daraus entsteht die Fernwirkung.
Wenn sie so leistungsfähig ist – warum brauche ich mehrere?
Weil selbst das stärkste optische Seenotsignal nur dann hilft, wenn es jemand wahrnimmt.
Vielleicht schaut im entscheidenden Augenblick niemand in deine Richtung. Vielleicht ist ein Schiff noch zu weit entfernt. Vielleicht brauchst du später ein weiteres Signal, wenn sich Hilfe nähert.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie weit reicht eine Rakete?“ Sondern: „Wie viele Chancen möchte ich im Ernstfall haben?“
8 für die Fahrtenyacht. 12 im SOLAS-Regelwerk.
Hier treffen zwei Zahlen aufeinander, die nicht verwechselt werden dürfen. Die eine ist eine Sicherheitsempfehlung für Fahrtenyachten. Die andere stammt aus dem internationalen SOLAS-Regelwerk für die Seeschifffahrt.
Empfehlung für die Fahrtenyacht
DSV, DMYV, DGzRS und FSR empfehlen acht rote Fallschirm-Signalraketen als Teil der Sicherheitsausrüstung einer Fahrtenyacht.
SOLAS
Für die von der entsprechenden SOLAS-Regelung erfassten Passagier- und Frachtschiffe sind mindestens zwölf Fallschirm-Signalraketen auf oder nahe der Navigationsbrücke vorgesehen.
SOLAS – Safety of Life at Sea – gehört zu den zentralen internationalen Sicherheitsregelwerken der Seeschifffahrt. Die zwölf Raketen sind deshalb keine pauschale Ausrüstungspflicht für eine private Sportyacht. Die Zahlen 8 und 12 stammen aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen und dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Die Fallschirmrakete gewinnt Entfernung. Danach ändert sich die Aufgabe.
Solange niemand zu sehen ist, brauchst du Fernwirkung. Sobald Hilfe auftaucht, wird deine genaue Position wichtiger. Und bei Tageslicht kann Rauch etwas zeigen, was eine rote Flamme nicht kann.
Fallschirm-Signalrakete
Bis rund 300 Meter hoch, lange sichtbar und für maximale Fernwirkung gebaut.
Rote Handfackel
Jetzt muss nicht mehr möglichst weit alarmiert werden. Jetzt muss die Hilfe deine Position erkennen.
Handfackel im Seenotfall →Oranges Rauchsignal
Rauch markiert deine Position auf dem Wasser und zeigt aus der Luft zusätzlich die Windrichtung.
Rauchsignal im Seenotfall →Größer, schwerer, aufwendiger – aber deshalb das bessere Langstrecken-Notsignal?
Wer eine Signalpistole Kaliber 4 sieht, könnte genau das vermuten. Schließlich wirkt sie deutlich massiver als eine handgehaltene Fallschirm-Signalrakete.
Aber Größe und Fernwirkung sind zwei verschiedene Dinge.
Dazu kommt ein zweiter Unterschied: Die Signalpistole Kaliber 4 gehört nicht zum FKN. Warum das so ist, welche Patronentypen es gibt und was Kaliber 4 tatsächlich leistet, gehört deshalb auf seine eigene Seite.
Eine Rakete kann viel. Aber sie gibt dir nur eine Chance.
300 Meter Höhe, 30.000 Candela und mehr als 30 Seemeilen mögliche Sichtbarkeit sind beeindruckende technische Daten. Im Ernstfall interessiert mich trotzdem zuerst etwas anderes: Wer schaut genau in diesem Moment in meine Richtung?
Wenn ich niemanden sehe, kenne ich die Antwort nicht. Deshalb erscheinen acht Raketen auf einer Fahrtenyacht plötzlich nicht mehr übertrieben. Eine abgeschossene Rakete kann ich kein zweites Mal einsetzen.
Und genau hier beginnt für mich der FKN. Du musst drei Dinge unterscheiden:
Was ist welches Seenotsignalmittel?
Wann ist welches Signal sinnvoll?
Und wie wird es sicher eingesetzt?
Die ersten beiden Fragen kannst du sehr gut vorbereiten. Deshalb erkläre ich sie hier ausführlich.
Bei der dritten hört die Internetseite bewusst auf. Die sichere Handhabung pyrotechnischer Seenotsignalmittel gehört für mich nicht in eine Schritt-für-Schritt-Anleitung im Internet.
Peter Wörner · Inhaber und Dozent Radio Offshore
Das Wissen bereitest du vor. Die Handhabung machen wir gemeinsam.
Deshalb machen wir aus einem überschaubaren Thema keinen künstlich langen Kurs. Was du selbst lernen kannst, bereitest du vorher vor. Unsere gemeinsame Zeit gehört vor allem dem Teil, bei dem persönliche Anleitung ihren Wert hat: der praktischen Handhabung der Seenotsignalmittel.
Anschließend findet die amtliche FKN-Prüfung direkt bei Radio Offshore statt.