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Radio Offshore ®

Seefunk ist mehr als ein Funkzeugnis: Welche Verantwortung ein Skipper im GMDSS übernimmt

Ein Funkzeugnis bestätigt eine Befähigung. Auf See beginnt damit eine Verantwortung: für den eigenen Notfall – und möglicherweise für den eines anderen Schiffes.

Junger Skipper informiert sich vor seinem nächsten Törn über Seefunk und GMDSS
GMDSS – was steckt hinter dem weltweiten System für Not- und Sicherheitskommunikation auf See?

Vier Menschen sind an Bord. Die Funkanlage ist betriebsbereit. Du besitzt bereits ein SRC oder LRC – oder beschäftigst dich gerade zum ersten Mal mit dem Seefunk.

Hinter dieser Funkanlage steht ein weltweites System:

GMDSS – Global Maritime Distress and Safety System.

Wer GMDSS googelt, findet die Definition schnell. Was dieses System für einen Skipper tatsächlich bedeutet, bleibt dabei oft offen.

GMDSS organisiert die maritime Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitskommunikation. Schiffe, Küstenfunkstellen, Rettungsleitstellen und satellitengestützte Dienste arbeiten nach international festgelegten Regeln zusammen.

Gerät eine Yacht weit draußen in Seenot, kann ein Alarm eine internationale Rettungskette auslösen. Das zuständige RCC oder MRCC bewertet die Lage, koordiniert geeignete Hilfe und bindet Schiffe oder Rettungsmittel ein.

Und damit beginnt die Verantwortung des Skippers.

Ein weltweites System braucht klare Regeln

Der Alarm kann in einem anderen Staat bearbeitet werden. Ein Handelsschiff unter einer dritten Flagge kann in die Rettung einbezogen werden. Zwischen Yacht und Küste können mehrere hundert Seemeilen liegen.

Die Beteiligten müssen sich nicht kennen. Sie müssen sich auf dieselben Grundregeln verlassen können.

Das ist die Stärke des GMDSS.

Funk, satellitengestützte Dienste, EPIRB, maritime Sicherheitsinformationen und professionelle Rettungsorganisationen übernehmen darin unterschiedliche Aufgaben.

Für dich als Skipper zählt, wo du selbst in diesem System stehst.

GMDSS Übersicht mit Yacht, Küstenfunkstelle, Satelliten, EPIRB, Rettungsleitstelle und SAR-Diensten
GMDSS verbindet unterschiedliche Alarmierungs-, Kommunikations- und Rettungswege zu einem internationalen System.

Das Funkzeugnis ist ein Befähigungsnachweis

SRC und LRC werden schnell als notwendige Scheine betrachtet: Funkanlage an Bord, Prüfung bestehen, Zeugnis haben.

Das Funkzeugnis bestätigt, dass du deine Kommunikationsmittel beherrschst und die Abläufe des Systems verstehst.

Mit dem SRC beginnt diese Welt im UKW-Seefunk.

Wer weiter hinausfährt, braucht andere Kommunikationswege. Genau dafür erweitert das LRC die Befähigung des Skippers – nicht als „besseres SRC“ und nicht als weiterer Schein, sondern für die Kommunikation jenseits der üblichen UKW-Reichweite.

Eine Prüfung kann Wissen abfragen. Auf See muss daraus Handlung werden.

Hilfe bekommen – oder selbst Teil der Hilfe werden

Seefunk wird oft aus der eigenen Perspektive betrachtet:

Wie bekomme ich Hilfe, wenn bei mir etwas passiert?

Das System funktioniert auch in die andere Richtung.

Auf deiner Funkanlage kann der Notalarm eines anderen Schiffes eingehen. Dieses Schiff kann näher bei dir liegen als bei professionellen Rettungskräften.

Dann bist du nicht nur Nutzer des Systems.

Du arbeitest darin mit.

Manchmal bedeutet das, zuzuhören und den Notverkehr nicht zu stören. In einer anderen Situation müssen Informationen weitergegeben werden oder dein eigenes Schiff kann helfen.

Der eigene Funkverkehr sollte eine Rettungskette unterstützen – nicht verzögern.

Ein weltweites System braucht deshalb Disziplin.

Ein sauber abgesetzter Notalarm. Eine richtig verstandene Meldung. Ein korrekt behandelter Fehlalarm. Ruhe auf der Frequenz, wenn andere sie brauchen.

Keine Heldentaten.
Seemannschaft und Disziplin.

Du darfst dich ruhig als Mitglied dieser weltweiten Rettungskette verstehen.

Nicht weil du ein Funkzeugnis in der Tasche hast.

Sondern weil du deine Aufgabe beherrschst.

Technik hilft – beherrschen musst du sie

Moderne Systeme können einen Notalarm schnell übermitteln. Eine EPIRB schafft einen unabhängigen Alarmierungsweg. Satellitengestützte Kommunikation überbrückt große Entfernungen.

Kommt Hilfe in das Gebiet, können auch Seenotsignalmittel bei Ortung und Annäherung eine wichtige Rolle spielen.

Damit endet die Verantwortung nicht am Funkgerät.

Der Sinn liegt nicht im Dokument

Eine bestandene Prüfung bestätigt eine Befähigung.

Der eigentliche Wert zeigt sich später an Bord:

Kann man sich auf dich verlassen, wenn aus normalem Funkverkehr Ernst wird?

Im besten Fall brauchst du dieses Wissen dein ganzes Seglerleben lang nicht im eigenen Seenotfall.

Ein fremder Notruf kann trotzdem jederzeit eingehen. Dein Schiff kann Teil der Hilfe werden. Oder die Rollen drehen sich um und du bist selbst auf andere angewiesen.

Dann zählt keine Punktzahl aus einer Prüfung.

Dann zählt, ob du verstanden hast, was du tust.

Du lernst Seefunk nicht nur, damit du funken darfst.

Du lernst ihn, damit du weißt, was du tust, wenn irgendwo auf See ein Menschenleben davon abhängt.

Dafür gibt es ein weltweites System:

GMDSS.

Junger Skipper beschäftigt sich mit GMDSS und der Entscheidung zwischen SRC und LRC
Wer das System dahinter versteht, kann auch die Frage nach SRC oder LRC besser einordnen.

Seefunk verstehen – nicht nur für die Prüfung lernen

SRC oder LRC kann man auch online auf eine Prüfung vorbereiten. Fragen, Funksprüche und Prüfungsabläufe lassen sich lernen.

Mir geht es bei diesem Thema um mehr als die Prüfung.

Seefunk ist ein komplexes System, das im Ernstfall unter Zeitdruck funktionieren muss. Im Präsenzunterricht sehe ich sofort, ob ein Zusammenhang wirklich verstanden wurde. Rückfragen, falsche Vorstellungen oder Unsicherheiten können direkt geklärt werden.

Wer versteht, lernt leichter – und behält mehr.

Heute kann Starlink mitten auf dem Atlantik eine hervorragende Verbindung zur Außenwelt schaffen. Gerade deshalb sollte ein Skipper verstehen, warum daneben ein eigenes internationales System für maritime Not- und Sicherheitskommunikation existiert.

Die Prüfung soll bestanden werden. Entscheidend ist, dass das Verständnis danach an Bord bleibt.

Peter Wörner – Radio Offshore ®
Peter Wörner unterrichtet SRC und LRC bei Radio Offshore ®. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Bedienung einzelner Funkgeräte, sondern das Verständnis dafür, wie Seenotalarmierung, Kommunikation und internationale Rettungsorganisation innerhalb des GMDSS zusammenwirken.