UBI · Binnenfunk · Schleusenfunk
Schleusenfunk – mit dem Sportboot richtig an der Schleuse funken
Vor dir Berufsschifffahrt, hinter dir das Schleusentor. Dass du mit deinem Sportboot genau dort stehst, ist kein Zufall – und wahrscheinlich die erste Sache, die du bereits richtig gemacht hast.
Kleines Motorboot. Großes Berufsschiff. Eine Schleusenkammer.
Warum das Sportboot hinter der Berufsschifffahrt bleibt
Du näherst dich mit deinem Sportboot einer Schleuse. Vor dir wartet ein großes Berufsschiff. Mit deinem kleinen Boot würdest du vielleicht noch irgendwo vorbeikommen.
Genau das lässt du bleiben.
Klein- und Sportfahrzeuge werden grundsätzlich nach den anderen Fahrzeugen geschleust. Bei einer gemeinsamen Schleusung fährst du erst nach ihnen und nach Aufforderung der Schleusenaufsicht in die Kammer ein.
Das große Schiff fährt voraus. Du ordnest dich dahinter ein. Die Schleuse muss dabei wissen, dass das Fahrzeug, das sich bei ihr meldet, ein Sportboot ist.
Für dich hat diese Reihenfolge einen praktischen Vorteil: Das große Schiff kann zuerst seine Position einnehmen. Du fährst anschließend mit deinem wesentlich kleineren Fahrzeug ein. Was zunächst wie ein Nachteil aussieht, macht die Situation für beide Seiten übersichtlicher.
Und genau hier bekommt das Funkgerät seinen Wert: Du musst nicht erraten, wann du fahren darfst. Du kannst mit der Stelle sprechen, die den Schleusungsvorgang organisiert.
Welche Angaben die Schleuse von dir braucht
Für die Schleuse zählt nicht möglichst viel Information, sondern die Information, mit der sie dein Fahrzeug eindeutig einordnen kann.
Welche Schleuse rufst du?
Der Funkruf richtet sich an eine bestimmte Funkstelle. Deshalb steht beim Verbindungsaufbau zunächst die gerufene Schleuse.
Sportboot und Schiffsname
Danach identifizierst du dein eigenes Fahrzeug. Die Angabe der Fahrzeugart ist relevant, weil die Schleuse wissen muss, welches Fahrzeug sich bei ihr meldet.
Wo befindest du dich?
Oberhalb oder unterhalb der Schleuse, zu Berg oder zu Tal: Die Position ordnet dein Fahrzeug einer konkreten Verkehrssituation zu.
Was möchtest du?
Du möchtest geschleust werden. Die Schleuse hat damit die Informationen, die sie für die weitere Verkehrsabwicklung benötigt.
Der Verbindungsaufbau folgt einer festen Logik: gerufene Funkstelle, „Hier ist“, eigenes Fahrzeug und anschließend die Verkehrsabwicklung.
Beim ersten Anruf dürfen gerufene und rufende Funkstelle bis zu dreimal genannt werden. Sobald die Verbindung besteht, genügt die einfache Nennung.
Funkdisziplin bei der Kommunikation mit der Schleuse
Ein Funkkanal ist kein privates Telefongespräch. Deshalb soll ein Funkruf kurz, eindeutig und ohne unnötige Informationen sein.
Die Gegenstelle muss erkennen, wer sie ruft und worum es geht. Danach folgt die Antwort der Schleuse und die weitere Verkehrsabwicklung.
Zur Funkdisziplin gehört dabei nicht nur das Sprechen. Genauso wichtig ist es, den Funkverkehr aufmerksam zu verfolgen und nicht in eine laufende Verbindung hineinzurufen.
Vor dir wartet bereits ein anderes Fahrzeug
Verhalten im Schleusenbereich
Mit einem kleinen Motorboot wirkt eine freie Lücke vor einem großen Schiff schnell erreichbar. Dass dein Boot dort Platz hätte, bedeutet aber noch nicht, dass du dorthin fahren darfst.
Im Schleusenbereich gilt grundsätzlich Überholverbot. An einem wartenden Fahrzeug vorbeizufahren ist nur in den dafür vorgesehenen Fällen zulässig.
Der Skipper auf dem Bild bleibt deshalb hinter der Berufsschifffahrt. Er wartet auf den geregelten Schleusungsablauf und auf die entsprechenden Informationen der Schleuse.
Für ein mit Sprechfunk ausgerüstetes Klein- oder Sportfahrzeug kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Es kann sich rechtzeitig bei der Schleuse anmelden. Das Funkgerät schafft damit einen direkten Kommunikationsweg zwischen Fahrzeug und Schleusenaufsicht.
Welcher Funkkanal für die Schleuse gilt
Schleusenfunk gehört zum Verkehrskreis Nautische Information. Der verwendete Kanal richtet sich nach der jeweiligen Funkstelle und dem Revier.
Nautische Information
Bei der Kommunikation mit einer Schleuse spricht dein Fahrzeug mit einer Landfunkstelle. Der Funkverkehr gehört deshalb zur Nautischen Information.
Die Funkstelle bestimmt den Kanal
Für Schleusen gibt es keinen universellen Funkkanal. Entscheidend ist die konkrete Funkstelle, die du im jeweiligen Revier erreichen möchtest.
Der Regionale Teil in Praxis und UBI-Prüfung
Im Regionalen Teil des Handbuchs Binnenschifffahrtsfunk findest du die Funkstellen eines Reviers und die dazugehörigen Kanäle.
Es geht deshalb nicht darum, möglichst viele Schleusenkanäle auswendig zu lernen. Du musst die benötigte Funkstelle finden, die Angaben richtig lesen und anschließend damit arbeiten können.
Genau das spielt auch in der praktischen UBI-Prüfung eine Rolle. Dort stehen Funkstelle, Kanal und Verkehrsabwicklung nicht mehr als einzelne Wissensfragen nebeneinander. Du musst die benötigten Informationen finden und in den Funkverkehr übertragen.
Das ist einer der Gründe, warum die praktische UBI-Prüfung anspruchsvoller ist, als der überschaubare theoretische Fragenkatalog zunächst vermuten lässt.
Verkehrskreis Nautische Information
Welche Sendeleistung beim Schleusenfunk gilt
Die bekannte Leistungsreduzierung im Binnenschifffahrtsfunk gilt nicht pauschal für jeden Verkehrskreis.
Schleusenfunk gehört zur Nautischen Information. Damit gelten für die Sendeleistung andere Vorgaben als beispielsweise im Verkehrskreis Schiff–Schiff.
Die oft gelernte Kurzform „Binnenfunk gleich 1 Watt“ reicht deshalb nicht aus. Erst der Verkehrskreis entscheidet, welche technischen Vorgaben für den jeweiligen Funkverkehr gelten.
Wie Sendeleistung, ATIS und die Betriebsarten eines Binnenfunkgeräts zusammenspielen, gehört zum Thema Funkgeräte im Binnenfunk.
Warum Schleusenfunk mehr als ein einfacher Funkruf ist
An einer Schleuse kommen mehrere Dinge zusammen: Du beobachtest den Schiffsverkehr, musst die richtige Funkstelle und den Kanal kennen und anschließend auf das reagieren, was die Schleuse dir mitteilt.
Genau diese Verbindung aus Wissen und Handlung ist für mich ein wichtiger Punkt beim UBI. Die Theorie lässt sich vorbereiten. Im praktischen Funkverkehr müssen die einzelnen Regeln aber im richtigen Moment zusammenpassen.
Peter Wörner · Inhaber, Ausbilder und Kursleiter Radio Offshore
Der rechtliche Rahmen des Binnenschifffahrtsfunks
Verkehrskreise, Funkbetrieb und Verkehrsabwicklung beruhen auf verbindlichen Regeln. Die rechtlichen Grundlagen dazu findest du auf der Seite zur Binnenschifffahrt-Sprechfunkverordnung.
Wie Schleusenfunk, ATIS, Verkehrskreise und Funkgeräte zusammengehören, zeigt die Übersicht im UBI-Glossar.
Schleusenfunk in der praktischen UBI-Ausbildung
Im UBI-Präsenzkurs bei Radio Offshore trainieren wir die Verkehrsabwicklung am Funkgerät: Funkstelle ermitteln, Verbindung aufbauen, zuhören und auf die jeweilige Situation reagieren.