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Radio Offshore ®

Funkgeräte Binnen – warum an Bord mehr als ein Funkgerät stehen kann

Auf einem Sportboot reicht oft der Blick auf ein einziges UKW-Funkgerät. Auf der Brücke eines großen Binnenschiffs stehen dagegen mehrere. Der Grund liegt nicht in der Größe des Schiffs, sondern in den Aufgaben, die gleichzeitig über Funk laufen.

Funkgeräte auf der Brücke eines Binnenschiffs

Vor dir fährt ein Frachtschiff. Auf seiner Brücke laufen zwei Funkgeräte.

Über das eine hört die Besatzung den Verkehr mit anderen Schiffen. Das andere hält gleichzeitig den Kontakt zur Nautischen Information offen. Beide Aufgaben können zur selben Zeit wichtig sein.

Deshalb verlangt die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung bei bestimmten motorisierten Fahrzeugen während der Fahrt zwei betriebsbereite Sprechfunkanlagen: eine für Schiff–Schiff und eine für Nautische Information.

Damit wird aus der scheinbar einfachen Frage „Welches Funkgerät brauche ich?“ eine interessantere: Welche Funkaufgaben muss dieses Fahrzeug gleichzeitig erfüllen?

Zwei Geräte halten zwei Funkaufgaben gleichzeitig offen

Schiff–Schiff und Nautische Information sind zwei verschiedene Verkehrskreise. Bei den entsprechend ausrüstungspflichtigen Fahrzeugen muss während der Fahrt für beide gleichzeitig Funkbereitschaft bestehen.

Schiff–Schiff

Hier sprechen Fahrzeuge unmittelbar miteinander. Der Funkverkehr begleitet damit den Verkehr auf dem Wasser.

Das dafür vorgesehene Gerät bleibt während der Fahrt sende- und empfangsbereit.

Nautische Information

Hier kommen Informationen und Verbindungen hinzu, die für das Revier und den sicheren Verkehrsablauf benötigt werden.

Auch dieser Verkehrskreis muss bei den betreffenden Fahrzeugen gleichzeitig erreichbar bleiben.

Warum es diese Verkehrskreise gibt und welche Aufgaben Schiff–Schiff, Nautische Information, Schiff–Hafenbehörde und Funkverkehr an Bord haben, gehört zur Struktur des Binnenschifffahrtsfunks.

Eine Funkanlage kann aus mehreren Funkgeräten bestehen

Der Begriff „Funkanlage“ meint im Binnenfunk deshalb nicht zwangsläufig einen einzelnen Kasten auf der Brücke. Eine Schiffsfunkstelle kann mehrere Funkgeräte umfassen.

Das passt zur betrieblichen Logik: Nicht die Anzahl der Geräte steht am Anfang, sondern die Funkaufgaben, die an Bord erfüllt werden müssen. Den rechtlichen Rahmen dahinter behandelt die Fachseite zur BinSchSprFunkV.

Beim Kleinfahrzeug beginnt die Frage anders

Ein Sportboot unter 20 Metern muss nicht allein deshalb mit einer Sprechfunkanlage ausgerüstet sein, weil es auf einer Binnenwasserstraße unterwegs ist. Daraus folgt aber nicht, dass Kleinfahrzeuge grundsätzlich niemals Funk benötigen.

Fahrgebiet und Betriebssituation können zusätzliche Anforderungen auslösen. Bei unsichtigem Wetter gelten beispielsweise besondere Voraussetzungen für die Weiterfahrt. Auch örtliche Regelungen können Sprechfunk verlangen.

Ist eine Binnenfunkanlage an Bord und wird sie betrieben, kommt zur Technik die Berechtigung des Bedieners hinzu. Was das UBI abdeckt, steht auf der Seite zum UBI Funkzeugnis.

Handfunkgerät und Einbaugerät lösen dieselbe Aufgabe unterschiedlich

Tragbares Funkgerät

Stromversorgung, Bedieneinheit und Antenne stecken in einem mobilen Gerät. Das macht es flexibel, setzt der Antenne und damit der gesamten Funkverbindung aber andere technische Grenzen.

Festes Einbaugerät

Das Gerät hängt am Bordnetz und arbeitet mit einer separat installierten Antenne. Dadurch werden Montageort, Kabel und Steckverbindungen zu Bestandteilen der Funkanlage.

Die Bauform allein entscheidet deshalb nicht darüber, ob ein Gerät für den vorgesehenen Einsatz passt. Funkdienst, ATIS, Installation und Bedienung müssen zusammenpassen.

Ein Binnenfunkgerät sendet nicht anonym

Feste und tragbare Funkanlagen im Binnenschifffahrtsfunk müssen über ATIS verfügen. Beim Senden wird die zugeteilte Kennung automatisch übertragen.

Genau deshalb macht ein UKW-Gerät nicht schon dadurch Binnenfunk, dass sich ein passender Kanal einstellen lässt. Die ATIS-Funktion gehört zur technischen Ausstattung des Systems.

Wie aus Rufzeichen und Kennungen die ATIS-Nummer entsteht und warum am Ende die tatsächlich zugeteilte Kennung zählt, steht auf der Fachseite zur ATIS-Kennung.

Schlechter Funk beginnt häufig hinter dem Funkgerät

Bei einem fest eingebauten Gerät endet die Fehlersuche nicht am Gehäuse. Zwischen Sender und freier Luft liegen Stromversorgung, Koax-Kabel, Steckverbindungen und Antenne.

Stromversorgung

Das Gerät braucht eine stabile Gleichspannung innerhalb seines vorgesehenen Bereichs. Eine Angabe wie 10,8–14,6 V= beschreibt genau diesen zulässigen Spannungsbereich.

Antenne

Standort und Montage beeinflussen die Funkverbindung. Bei einer festen Anlage gehört die Antenne deshalb genauso zur Planung wie das Gerät selbst.

Koax und Stecker

Feuchtigkeit, beschädigte Leitungen oder schlechte Verbindungen können Empfang und Reichweite verschlechtern, obwohl das Funkgerät selbst einwandfrei arbeitet.

Ein stiller Lautsprecher kann auch eine falsche Einstellung sein

Die Rauschsperre – Squelch – hält das typische UKW-Rauschen aus dem Lautsprecher, solange kein ausreichend starkes Signal empfangen wird. Wird sie zu hoch eingestellt, verschwinden jedoch auch schwächere Signale, die noch hörbar wären.

Auf allen Kanälen nur Rauschen

Dann lohnt sich der Blick nicht nur auf das Gerät. Antenne, Koax-Kabel und Steckverbindungen gehören ebenfalls in die Fehlersuche.

Andere Stationen sind kaum hörbar

Dann kann neben der Funkanlage auch die Einstellung der Rauschsperre eine Rolle spielen. Mehr Squelch bedeutet nicht automatisch besseren Empfang.

Sobald aus Gerätebedienung echter Funkverkehr wird, kommen Funkverfahren und Funkdisziplin hinzu. Wie das bei einem typischen Kontakt mit einer Landfunkstelle aussieht, zeigt der Schleusenfunk.

Peter Wörner – Radio Offshore®

Am eingeschalteten Gerät wird aus einem Begriff eine Funktion

Squelch, ATIS oder Verkehrskreis kann man auswendig lernen. Interessanter wird es in dem Moment, in dem am Funkgerät eine Einstellung verändert wird und man unmittelbar hört oder sieht, was sie bewirkt.

Genau an dieser Stelle beginnt für mich Funkpraxis.

Peter Wörner · Radio Offshore®

Das passende Gerät entscheidet sich nicht im Prospekt

Ein großes Display, viele Tasten oder eine lange Ausstattungsliste sagen wenig darüber aus, wie gut eine Funkanlage auf dem eigenen Boot funktioniert. Vor dem Kauf sind andere Fragen entscheidend.

Passt es zum Funkdienst?

Das Gerät muss für den vorgesehenen Binnenfunkbetrieb passen und die dafür benötigten Funktionen einschließlich ATIS unterstützen.

Passt die Anlage zum Boot?

Bei einem Einbaugerät gehören Antenne, Montageort, Kabelweg und Stromversorgung zur Entscheidung. Das Funkgerät ist nur ein Teil davon.

Kann ich es sicher bedienen?

Kanalwahl, Lautstärke und Rauschsperre müssen auch dann funktionieren, wenn die Aufmerksamkeit gleichzeitig beim Verkehr auf dem Wasser liegt.

Was passiert nach dem Einbau?

Erst wenn Gerät, Konfiguration und Installation zusammenpassen, entsteht daraus eine Funkstelle, mit der sich an Bord sinnvoll arbeiten lässt.

Vom Funkgerät zurück zum gesamten Binnenfunk

Das Gerät ist die sichtbare Technik. Dahinter stehen Verkehrskreise, ATIS, Funkverfahren, Schleusenfunk und die Regeln für den Betrieb. Diese Themen laufen im UBI Glossar wieder zusammen.

UBI-Praxis am Funkgerät

Im Kurs bei Radio Offshore wird aus der Theorie Bedienung: Funkgerät einschalten, Einstellungen verstehen und die Funkverfahren am Gerät umsetzen.

UBI Funkkurs →