ATIS-Kennung im Binnenfunk: Antrag, Funkgerät, Aufbau
Die ATIS-Kennung im Binnenfunk ist die automatische Kennung zur Identifizierung einer Funkstelle. Hier findest du Bedeutung, ATIS-Code Aufbau (Deutschland), Zuteilung über die Bundesnetzagentur (konkret: welche Felder du ausfüllst, welche Unterlagen du beilegst) und die Einrichtung am Funkgerät. Dazu: woran du ein ATIS-fähiges Binnenfunkgerät erkennst und welche Fehler du in der Praxis vermeidest.
Wichtig: Die ATIS-Ziffernfolge wird aus der Zuteilungsurkunde übernommen und am Gerät identisch eingetragen. Für den Kauf zählt, dass das Gerät für den Binnenfunk vorgesehen ist und ATIS unterstützt.
ATIS – Kurzfassung
- ATIS wird am Ende einer Aussendung automatisch gesendet (typisch beim Loslassen der PTT).
- Deutschland: ATIS kommt über die Zuteilungsurkunde der Bundesnetzagentur (Kennung am Gerät identisch eintragen).
- Funkgerät: ATIS muss unterstützt werden (Binnen/ATIS-Modus).
- Aufbau (DE): 10-stellig, startet mit 9, danach MID und codiertes Rufzeichen (Beispiele unten).
- Typische Fehler: falscher Modus (Binnen/See), Zahlendreher, oder Gerät ohne ATIS gekauft.
UBI-Prüfungssatz (Original):
Das Funkgerät muss für den Binnenschifffahrtsfunk zugelassen oder in den Verkehr gebracht worden sein.
In Deutschland kommt ATIS über die Nummernzuteilung (Ship Station Licence) für die Schiffsfunkstelle. Die Kennung steht in der Urkunde und wird später am Gerät exakt übernommen.
- Neuantrag oder Änderungsantrag (mit Feld „bisheriges Rufzeichen“).
- Antragsteller/Eigentümer + Schiffszuordnung („deutsches Schiff“).
- Gerätebestand „bisher/jetzt“ + Art des Funkverkehrs (mit/ohne AAIC).
10-stellig: 9 + MID + codiertes Rufzeichen. In der Praxis wird die Kennung aus der Urkunde übernommen.
Beispiel: Rufzeichen DA2345 → A = 01 → ATIS 9211012345
1) Bedeutung der ATIS-Kennung im Binnenfunk
ATIS (Automatic Transmitter Identification System) ist die automatische Kennung einer Funkstelle im Binnenschifffahrtsfunk. Das ATIS-Signal wird am Ende einer Aussendung digital mitgesendet (typisch beim Loslassen der Sprechtaste, PTT).
Zweck in der Praxis: Binnenfunkstellen (z. B. Verkehrs-/NIF-Stellen oder Schleusenfunkstellen) können eine Aussendung einer Funkstelle eindeutig zuordnen. Normale Schiffsgeräte zeigen die ATIS-Nummer in der Regel nicht als „Klartext“ an; ohne spezielle Decoder bleibt das für den Nutzer meist unsichtbar.
Akustisch kann der ATIS-Anteil als kurzer, „kratziger“ Datenton am Ende einer Aussendung auffallen. Viele Funkgeräte filtern diesen Ton im Empfang aus (ATIS-Killer): Der Lautsprecher wird während des ATIS-Datenteils stummgeschaltet, damit das Geräusch nicht stört. Die ATIS-Kennung selbst bleibt dabei im Signal enthalten.
Praxis-Hinweis: Ob der ATIS-Datenton hörbar ist oder nicht, hängt vom Gerät/Modus ab. Bei manchen Geräten ist der ATIS-Killer im Binnenmodus automatisch aktiv, bei anderen ist er als Einstellung vorhanden (Standard oft „ON“).
2) ATIS-Code Aufbau (Deutschland) – verständlich mit Beispielen
Der ATIS-Code ist 10-stellig. Im Standardfall: zuerst die Ziffer 9, dann die dreistellige MID und danach ein Teil, der sich aus dem Rufzeichen ableitet (zweiter Buchstabe + die vier Ziffern des Rufzeichens).
Formel (typischer Standardfall):
ATIS = 9 + MID (DE: 211) + 2 Ziffern für den 2. Buchstaben + 4 Ziffern aus dem Rufzeichen
Buchstaben-Umsetzung (zweiter Buchstabe): A → 01, B → 02, C → 03, … (Alphabet-Position als zweistellige Zahl).
Beispiel 1: Rufzeichen DA2345
Zweiter Buchstabe A → 01; Ziffern bleiben 2345.
ATIS: 9 211 01 2345 → 9211012345
Beispiel 2: Rufzeichen DB0123
Zweiter Buchstabe B → 02; Ziffern 0123.
ATIS: 9 211 02 0123 → 9211020123
3) Funkgerät kaufen: ATIS-fähig und binnen-tauglich
Für die Kaufentscheidung zählt: Im Datenblatt muss ATIS (Binnen/ATIS-Modus) explizit genannt sein. Kombigeräte müssen sauber zwischen Binnen/ATIS und See umschaltbar sein. Wenn ATIS nicht vorgesehen ist, kannst du später keinen ATIS-Code sinnvoll eintragen.
- ATIS-fähig: Funktion vorhanden und aktivierbar (Binnenmodus).
- See/Binnen: Umschaltung nachvollziehbar, nicht „versteckt“.
- ATIS-Eingabe: je nach Modell Menü oder Servicefunktion; vor dem Kauf klären.
Mehr zur Geräteauswahl: Funkgeräte Binnen.
4) Bundesnetzagentur (Deutschland): Antrag Schritt für Schritt – so steht es im Formular
Grundlage ist das Formular „BNetzA 224 Antrag Sportschifffahrt (Ship Station Licence)“. Du arbeitest dich von oben nach unten durch – wichtig ist, dass Antragsteller, Schiff und Gerätebestand zusammenpassen.
- Neuantrag oder Änderungsantrag wählen.
- Beim Änderungsantrag: Feld „bisheriges Rufzeichen“ ausfüllen.
- Eigentümer (ggf. laut Schiffsregister), Straße/Hausnummer, PLZ/Ort.
- Bei natürlichen Personen: Geburtsdatum; alternativ Handels-/Vereinsregisternummer (je nach Fall).
- Telefon, Telefax, E-Mail.
Feld ist vorgesehen für den Fall, dass der Eigentümer den Wohnsitz im Ausland hat.
- Name/Adresse + Kontakt wie beim Eigentümer.
- Eigene Unterschrift am Ende des Formulars.
Kontaktperson für Rückfragen des MRCC Bremen bzw. der ITU in Notfällen.
- Adresse
- Telefon + alternatives Telefon + Telefax
Im Formular gibt es die Zeile: „Es wird die Zuteilung der Nummern des mobilen See- und Binnenschifffahrtsfunks beantragt:“ mit Auswahl für Rufzeichen, MMSI, ATIS. Praxisregel: Nur ankreuzen, was du für die Funkausrüstung tatsächlich brauchst.
- Name des Schiffes
- Unterscheidungssignal (falls vorhanden)
- Länge über alles / Breite / max. Zahl der Personen an Bord
- Segelyacht oder Motoryacht
Du trägst ein, was bisher da war und was jetzt tatsächlich an Bord ist. Genau daran hängt, welche Nummern (Rufzeichen/MMSI/ATIS) du sinnvoll beantragst.
- Fest eingebaut: Sprechfunk ohne DSC
- Fest eingebaut: Sprechfunk und DSC
- Tragbar: Sprechfunk ohne DSC
- Tragbar: Sprechfunk und DSC
- EPIRB (mit Hinweis: HEX ID Code / Kodierungsnachweis)
- AIS: Anzahl Sender/Transponder
- AIS SART
- Radaranlage
- 9-GHz Radartransponder (SART)
- Radar Target Enhancer
- MOB (121,5 MHz) / MOB (AIS-Technologie)
- kein öffentlicher Nachrichtenaustausch
- öffentlicher Nachrichtenaustausch (Abrechnungskennung AAIC angeben)
Am Ende: rechtsgültige Unterschriften (Eigentümer: Unterschrift von allen Zuteilungsinhabern; ggf. Firmenstempel) und ggf. Unterschrift der Empfangsbevollmächtigten Person.
5) Angaben & Unterlagen – konkret (damit der Antrag nicht hängen bleibt)
Praxisziel: Antrag vollständig, Angaben konsistent, Nachweise dort beilegen, wo sie laut Ausfüllhinweisen gefordert sind. Hier die typische „Beilegen/Beachten“-Liste.
Die Ship Station Licence kann nur für ein „deutsches Schiff“ ausgestellt werden. In den Ausfüllhinweisen werden drei Fälle genannt:
- Eintragung im deutschen See- oder Binnenschiffsregister
- oder gültiges amtliches/amtlich anerkanntes deutsches Kennzeichen (wenn keine Registerpflicht)
- oder Eigentum eines deutschen Staatsangehörigen (wenn weder Register- noch Kennzeichenpflicht)
Wenn das Schiff im Seeschiffsregister eingetragen ist: Unterscheidungssignal angeben und Kopie des Registerauszugs beifügen.
Typischer Rückläufer: Unterscheidungssignal genannt, aber Registerauszug fehlt.
Wenn EPIRB angegeben wird: Kodierungsnachweis für jede EPIRB einreichen bzw. durch die Ausrüstungsfirma übermitteln lassen.
Praktisch: EPIRB ja → Nachweis nicht vergessen.
Empfänger ohne Sendeeinrichtung (z. B. reine AIS-Empfänger) sind laut Ausfüllhinweisen nicht aufzuführen.
Das verhindert falsche Geräteeinträge, die in die Nummernlogik nicht gehören.
Wenn an Bord Funkanlagenarten vorhanden sind, die im Sportschifffahrt-Formular nicht aufgeführt sind, nennen die Ausfüllhinweise ausdrücklich: dann ist das Formular „Berufsschifffahrt“ sinngemäß zu verwenden.
In den Ausfüllhinweisen steht sinngemäß: Zum Zeitpunkt der Nutzung darf an Funkanlagen nur die Funktionalität des See- bzw. Binnenschifffahrtsfunks geschaltet sein; andere Frequenzen sind durch die beantragte Nummernzuteilung nicht automatisch zulässig.
6) ATIS am Gerät einrichten: Praxis-Checkliste
Reihenfolge ist wichtiger als Menüwissen: Urkunde → richtiger Modus → exakte Eingabe → sauberer Revierwechsel. Viele Fehler entstehen durch Zahlendreher oder weil das Gerät im falschen Modus bleibt.
- Zuteilungsurkunde daneben legen und ATIS-Ziffernfolge exakt übernehmen.
- Gerät in den Binnen/ATIS-Modus setzen.
- ATIS eingeben und speichern. Je nach Gerät ist die Eingabe eingeschränkt (z. B. nur einmalig oder nur über Service-Menü).
- Anzeige/Status prüfen: Binnen/ATIS aktiv.
- Beim Revierwechsel konsequent umstellen: Binnen mit ATIS, See ohne ATIS.
Kauf-Tipp: Vor dem Kauf klären, ob ATIS frei im Menü gesetzt wird oder ob ein Händler-/Service-Schritt nötig ist.
7) Betrieb: Leistung und Kanäle (Praxis)
Im Binnenfunk gelten je nach Gewässer und Verkehrskreis Vorgaben zu Kanälen und Leistungsstufen. Praktisch heißt das: richtigen Kanal wählen, Leistung passend einstellen und regionale Hinweise beachten.
- Schiff–Schiff und Schiff–Hafenbehörde laufen häufig mit reduzierter Leistung (je nach Vorgaben).
- Für nautische Information können regional abweichende Regeln gelten.
- Maßgeblich sind Regionalteil/örtliche Hinweise und die Verkehrssituation.
8) Häufige Fehler bei der ATIS-Kennung
Falscher Modus
Binnenfunk mit aktivem ATIS, auf See ohne ATIS. Kombigeräte müssen korrekt umgeschaltet werden.
Zahlendreher
Die Kennung muss exakt der Urkunde entsprechen – schon eine vertauschte Ziffer ist falsch.
Gerät ohne ATIS
Wenn ATIS nicht im Datenblatt steht, ist die Nutzung im Binnenfunk später ein Problem.
Antrag passt nicht zum Gerätebestand
„bisher/jetzt“ muss stimmen – sonst werden Nummern falsch beantragt oder der Antrag verzögert sich.
9) FAQ zur ATIS-Kennung (Praxis)
Woher bekomme ich meine ATIS-Kennung?
In Deutschland über die Nummernzuteilung (Ship Station Licence). Die ATIS-Kennung steht in der Urkunde und wird am Gerät identisch eingetragen.
Welches Funkgerät brauche ich für ATIS?
Ein UKW-Gerät, das ATIS unterstützt (ATIS-fähig, Binnen/ATIS-Modus) und für den Binnenschifffahrtsfunk zugelassen oder in den Verkehr gebracht wurde.
Wann wird ATIS gesendet?
Am Ende jeder Aussendung – Ende ist typischerweise jedes Loslassen der PTT oder ein Time-out.
Was macht der ATIS-Killer?
Er stummschaltet im Empfang den kurzen ATIS-Datenton im Lautsprecher (Akustik-Filter). ATIS wird dadurch nicht abgeschaltet; die Kennung bleibt im Signal enthalten. Ob der ATIS-Killer automatisch aktiv ist oder als ON/OFF-Einstellung existiert, ist geräteabhängig.
Muss ATIS auf See abgeschaltet werden?
Ja. Auf See wird ohne ATIS gefunkt – Kombigeräte müssen auf den See-Modus umgestellt werden.
Im Präsenzkurs üben wir Funkabläufe am Gerät – sicher durch die Prüfung, sicher auf dem Wasser.
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UBI Funkzeugnis
Amtliches UKW-Sprechfunkzeugnis für Binnengewässer.
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Kommunikation auf Binnengewässern.
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Theorie- und Praxisprüfung für das UBI Funkzeugnis.
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Geräte mit ATIS-Funktion für den Binnenfunk.
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Gesetzliche Grundlage für den Binnenschifffahrtsfunk.
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Funkverfahren für die Kommunikation an Schleusen.