UBI · Binnenschifffahrtsfunk · Verkehrskreise
Binnenschifffahrtsfunk – vier Verkehrskreise, ein System
Auf einem Fluss funken viele Schiffe und Landfunkstellen gleichzeitig. Damit daraus kein Durcheinander wird, ist der Funkverkehr nach Aufgabe, Funkpartner und Reichweite organisiert.
Ein Fluss. Viele Funkverbindungen.
Vor dir kommt ein Frachtschiff. Hinter dir fährt das nächste. Später wartet eine Schleuse.
Du sitzt am Steuer deines Motorbootes. Vor dir kommt ein großes Binnenschiff entgegen. Wenn ihr euch abstimmen müsst, willst du direkt mit diesem Fahrzeug sprechen.
Wenig später näherst du dich einer Schleuse. Jetzt brauchst du Informationen von einer Landfunkstelle. Im Hafen kann wiederum eine andere Funkstelle zuständig sein.
Auf einem großen Binnenschiff kommt noch eine vierte Aufgabe hinzu: Die Besatzung kann Funk für Arbeiten und Manöver an Bord benötigen.
Alles läuft über UKW. Trotzdem sollen diese Funkverbindungen nicht durcheinanderlaufen und auch nicht weiter reichen als erforderlich.
Genau dafür gibt es die vier Verkehrskreise.
Vier Situationen – vier Verkehrskreise
Die entscheidende Frage lautet: Mit wem willst du sprechen und welche Aufgabe hat diese Funkverbindung?
Du willst das entgegenkommende Schiff erreichen
Begegnungen, Überholmanöver, Engstellen und die unmittelbare Abstimmung zwischen Fahrzeugen gehören zum Verkehrskreis Schiff–Schiff.
Du brauchst Informationen für deine weitere Fahrt
Verkehrslage, Schleusen und andere nautische Informationen führen in den Verkehrskreis Nautische Information. Häufig wird dafür die Abkürzung NIF verwendet.
Du läufst in einen Hafen ein
Geht es um die Kommunikation mit einer Hafenfunkstelle, gehört die Verbindung zum Verkehrskreis Schiff–Hafenbehörde.
Die Besatzung muss sich bei der Arbeit verständigen
Funk für betriebliche Abläufe innerhalb eines Fahrzeugs oder Verbandes gehört zum Verkehrskreis Funkverkehr an Bord.
Warum dreimal 1 Watt – und bei NIF bis zu 25 Watt?
Genau an der Sendeleistung wird sichtbar, warum die Verkehrskreise mehr sind als vier Begriffe zum Auswendiglernen.
Lokaler Funk soll lokal bleiben
Schiff–Schiff, Schiff–Hafenbehörde und Funkverkehr an Bord brauchen keine unnötig große Reichweite. Deshalb ist die Sendeleistung dort begrenzt.
Eine Landfunkstelle kann weiter entfernt sein
Bei Nautischer Information kann eine größere Reichweite erforderlich sein. Deshalb kann hier eine höhere Sendeleistung bis 25 Watt zur Verfügung stehen.
Der eigentliche Grund liegt einige Kilometer weiter
Während du mit einem entgegenkommenden Schiff sprichst, begegnen sich weiter flussaufwärts oder flussabwärts bereits die nächsten Fahrzeuge. Auch sie brauchen Funk – und möglicherweise denselben Kanal.
Würden lokale Gespräche mit hoher Leistung weit entlang der Wasserstraße ausgesendet, würden sie dort unnötig stören. Die begrenzte Reichweite ermöglicht deshalb, dieselben Kanäle entlang einer Wasserstraße an verschiedenen Stellen wieder zu nutzen.
Bei NIF ist die Aufgabe eine andere: Dort kann gerade die Verbindung zu einer weiter entfernten nautischen Landfunkstelle erforderlich sein.
Damit habe ich die Verkehrskreise verstanden
Die vier Namen konnte ich lernen. Bei den unterschiedlichen Wattzahlen war für mich aber entscheidend, den Zusammenhang dahinter zu verstehen: Wer spricht mit wem, wie weit muss diese Verbindung reichen und wer braucht denselben Kanal noch?
Dann sind Verkehrskreise und Sendeleistungen keine getrennten Zahlen und Begriffe mehr. Sie gehören zum selben System.
Peter Wörner · Inhaber, Ausbilder und Kursleiter Radio Offshore
Und plötzlich erklären sich auch drei Funkgeräte auf der Brücke
Auf einem größeren Binnenschiff können mehrere Funkaufgaben gleichzeitig bestehen. Genau das sieht man an der Ausstattung einer professionellen Brücke.
Ein Funkgerät hält den Verkehrskreis Schiff–Schiff bereit. Ein weiteres steht für Nautische Information zur Verfügung. Und auf entsprechend großen Schiffen kommt der Funkverkehr der Besatzung an Bord hinzu.
Drei Funkgeräte sind damit nicht einfach dreifache Technik. Auf der Brücke wird sichtbar, was die Verkehrskreise organisatorisch voneinander trennen: Verkehr mit anderen Schiffen, nautische Kommunikation mit Land und Kommunikation innerhalb des eigenen Schiffsbetriebs.
Verstehen ist der erste Teil. Funken der zweite.
Im UBI-Präsenzkurs bei Radio Offshore wird aus dem System praktische Verkehrsabwicklung am Funkgerät: Funkstelle erkennen, Verbindung aufbauen, Meldungen aufnehmen und selbst sprechen.
Gerade die praktische Prüfung ist im Ablauf komplexer, als die überschaubare Theorie zunächst vermuten lässt.