UKW-Seefunk an Bord
UKW-Funkgerät auf dem Boot – welche Kanäle brauche ich wirklich?
Im Bordalltag geht es selten darum, möglichst viele UKW-Kanäle auswendig zu kennen. Viel wichtiger ist die Frage: Wen möchte ich erreichen – einen Hafen, eine andere Yacht oder einen bestimmten Funkpartner – und wie stelle ich die Verbindung sinnvoll her?
Praxis an Bord
Für einen Hafen brauche ich dessen Hafenkanal. Für ein Gespräch mit einer anderen Yacht einen geeigneten Routinekanal. Und kenne ich die MMSI der Gegenstelle, kann DSC die Funkverbindung besonders elegant herstellen.
Die Fragen am Funkgerät sind meistens sehr konkret
„Auf welchem Kanal erreiche ich den Hafen?“ „Welchen Kanal nehme ich, wenn ich mit der anderen Yacht noch ein Bier trinken gehen möchte?“ Und: „Wie rufe ich eine bestimmte Yacht gezielt an?“
Genau daraus entsteht brauchbare Funkpraxis. Nicht aus einer möglichst langen Liste von Kanalnummern.
Peter Wörner · Inhaber, Ausbilder und Kursleiter Radio Offshore
Welchen Kanal nehme ich wofür?
Kanal 16 – der allgemeine Anrufkanal
Kanal 16 ist der zentrale Anrufkanal im UKW-Seefunk und gleichzeitig für Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr von besonderer Bedeutung.
Für ein normales längeres Gespräch bleibt man dort jedoch nicht. Nach dem Anruf wird auf einen geeigneten Arbeits- oder Routinekanal gewechselt.
Welchen Kanal hat mein Hafen?
Es gibt nicht den einen Hafenkanal für alle Häfen. Welchen UKW-Kanal eine Marina oder ein Hafen verwendet, entnimmt man den nautischen Informationen für das jeweilige Revier.
Auf einer Charterreise ist deshalb der Revierführer eine der praktischsten Informationsquellen: Hafen suchen, UKW-Kanal nachsehen und die Hafenfunkstelle auf diesem Kanal anrufen.
Für soziale Kontakte brauche ich einen Routinekanal
Zwei Crews möchten sich verabreden, einen Treffpunkt abstimmen oder klären, in welchem Hafen man sich am Abend zum Bier trifft. Dafür ist Kanal 16 nicht gedacht.
Nach der Kontaktaufnahme wird auf einen geeigneten Routinekanal gewechselt. Kanal 77 ist dafür ein typisches Beispiel und lässt sich als „Schnapszahl“ leicht merken. Für Deutschland spielt auch Kanal 69 eine wichtige Rolle.
Welche Kanäle im jeweiligen Fahrtgebiet verwendet werden dürfen, richtet sich nach dem dort geltenden Kanalplan.
Eine bestimmte Yacht erreichen? Dafür ist DSC eine feine Sache
Kenne ich die MMSI der anderen Yacht, kann ich sie mit DSC gezielt digital anrufen.
DSC steht für Digital Selective Calling, also digitalen Selektivruf. Statt eine bestimmte Yacht mehrfach allgemein aufzurufen, kann ihr Funkgerät gezielt angesprochen werden.
Der DSC-Ruf macht die Gegenstelle optisch und akustisch auf den Anruf aufmerksam. Für das anschließende Gespräch kann dabei bereits ein geeigneter Routinekanal vorgeschlagen werden.
Die vollständige Funktionsweise von MMSI, Routineanruf, Safety, Urgency und Distress steht im Beitrag DSC im Seefunk.
Woher bekomme ich die MMSI der anderen Yacht?
Heute liefert häufig AIS genau die Information, die für einen gezielten DSC-Anruf gebraucht wird.
Ist die andere Yacht über AIS sichtbar, kann ihre MMSI in den AIS-Schiffsdaten angezeigt werden. Diese Nummer lässt sich anschließend für einen DSC-Routineanruf verwenden.
AIS
Die andere Yacht wird identifiziert und ihre Schiffsdaten werden angezeigt.
MMSI
Die MMSI ist die eindeutige maritime Funkstellenkennung des Schiffes.
DSC
Mit der MMSI kann die gewünschte Funkstelle gezielt digital angerufen werden.
AIS, MMSI und DSC ergänzen sich damit im Bordalltag sehr praktisch: Schiff erkennen, MMSI übernehmen, digitalen Ruf senden und anschließend auf dem Routinekanal sprechen.
Und was ist mit Kanal 70?
Kanal 70 muss im normalen Betrieb nicht wie ein Sprechfunkkanal ausgewählt werden. Er ist ausschließlich für DSC vorgesehen.
Ein DSC-fähiges UKW-Funkgerät überwacht ihn automatisch im Hintergrund. Für den Bediener ist deshalb wesentlich wichtiger, DSC bedienen zu können, als sich ständig mit Kanal 70 zu beschäftigen.
Wie weit reicht mein UKW-Funkgerät?
Bei UKW entscheidet vor allem die Höhe der Antenne über die erreichbare Funkentfernung.
UKW-Seefunk breitet sich im Wesentlichen innerhalb der Funk-Sichtweite aus. Deshalb erreicht ein fest eingebautes Funkgerät mit einer Antenne im Mast meist deutlich größere Entfernungen als ein Handfunkgerät knapp über der Wasseroberfläche.
Antennenhöhe
Je höher die Antenne sitzt, desto weiter reicht der Funkhorizont.
Gegenstelle
Auch die Antennenhöhe der anderen Funkstelle beeinflusst die mögliche Verbindung.
Installation
Antenne, Kabel, Stecker und Stromversorgung müssen technisch in Ordnung sein.
25 Watt oder 1 Watt?
Fest eingebaute UKW-Seefunkgeräte arbeiten typischerweise mit hoher oder reduzierter Sendeleistung. Üblich sind 25 Watt und 1 Watt.
25 Watt
Die höhere Sendeleistung wird verwendet, wenn eine größere Funkentfernung erforderlich ist und der verwendete Kanal dies zulässt.
1 Watt
Für kurze Entfernungen reicht reduzierte Leistung. Dadurch werden unnötig große Funkreichweiten und gegenseitige Störungen vermieden.
Mehr Leistung ersetzt jedoch keine gute Antennenanlage. Bei UKW ist die Antennenhöhe oft entscheidender als der Unterschied zwischen einzelnen Wattzahlen.
Was macht der Squelch?
Der Squelch ist die Rauschsperre des Empfängers.
Ohne Rauschsperre würde der Lautsprecher bei fehlendem Funksignal ständig rauschen. Der Squelch wird deshalb so eingestellt, dass dieses Grundrauschen verschwindet.
Zu weit sollte man ihn allerdings nicht schließen: Schwächere, aber noch brauchbare Funksignale könnten sonst ebenfalls unterdrückt werden.
Warum Antenne und Einbau zum Funkgerät dazugehören
Ein gutes UKW-Funkgerät kann eine schlechte Installation nicht ausgleichen. Antenne, Koaxialkabel, Steckverbindungen und Stromversorgung gehören deshalb zur Funkanlage genauso wie das Gerät selbst.
Antenne
Höhe, Montage und technische Qualität beeinflussen Senden und Empfang unmittelbar.
Stromversorgung
Beim Senden benötigt das Funkgerät eine stabile Bordspannung. Fehler in der Versorgung können sich gerade bei hoher Sendeleistung bemerkbar machen.
Seefunk und Binnenfunk nicht durcheinanderbringen
Ein Gerät kann technisch für unterschiedliche Funkdienste ausgelegt sein. Die verwendeten Verfahren sind deshalb noch lange nicht identisch.
Seefunk
DSC ist das digitale Anrufverfahren. Die MMSI identifiziert die Funkstelle.
Binnenfunk
Dort spielt ATIS eine zentrale Rolle. Auch Kanalnutzung und Betriebsverfahren folgen anderen Regeln.
So wird daraus Gerätepraxis
Im SRC-Kurs bei Radio Offshore werden diese Situationen direkt am Icom IC-M323i durchgespielt: Hafenfunk, Routineverkehr, Kanalwechsel, DSC-Routineanruf, Lautstärke, Squelch und unterschiedliche Sendeleistungen.
Entscheidend ist dabei nicht, eine Bedienungsanleitung auswendig zu lernen. Der Teilnehmer soll wissen, was er in einer konkreten Situation am Funkgerät tun muss.
Die amtliche DSV-Prüfung findet anschließend ebenfalls an diesem Gerät statt. Wie diese praktische Prüfung aufgebaut ist, steht unter SRC-Prüfung – Ablauf und Praxis.
DSC ist mehr als der rote Distress-Knopf
Gerade beim normalen Routineverkehr zeigt sich, wie nützlich DSC sein kann: MMSI auswählen, Gegenstelle gezielt alarmieren und anschließend auf dem vereinbarten Kanal sprechen.
Weitere Begriffe zum SRC und UKW-Seefunk
Seefunk
Einstieg in UKW-Seefunk und die wichtigsten Zusammenhänge an Bord.
DSC im Seefunk
Digitaler Selektivruf, MMSI, Routineanruf und Distress.
SRC-Funkzeugnis
Was das Short Range Certificate ist und wofür es benötigt wird.
SRC-Prüfung
Theorie, Seefunktexte und praktische Bedienung des Funkgeräts.
Funkzeugnis-Pflicht
Wann eine Funkanlage an Bord ein entsprechendes Funkzeugnis verlangt.
SRC oder LRC?
UKW-Küstenfunk und weiterreichende GMDSS-Funksysteme im Vergleich.