Kanal 77 am Bodensee: vom „Bierkanal“ zum Notrufkanal
Auf vielen Revieren wird Kanal 77 als lockerer Schiff-zu-Schiff-Kanal wahrgenommen. Am Bodensee ist das anders: Hier ist Kanal 77 für Not- und Dringlichkeitsverkehr reserviert. Wer das nicht weiß, kann im falschen Moment stören – genau deshalb lohnt sich diese kurze Praxis-Einordnung.
Merksatz: Bodensee = Not-/Dringlichkeit auf 77. Kanal 16 dient primär der Anrufaufnahme – der weitere Notverkehr läuft auf 77 (Details unten).
Warum ist der Bodensee eine Funk-Sonderzone?
Der Bodensee ist ein gemeinsames Revier von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Damit Funk im Ernstfall eindeutig funktioniert, gibt es eine gemeinsame fernmelderechtliche Vereinbarung mit eigenen Kanal-Zuweisungen.
Offizielle Übersicht (PDF): Funk auf dem Bodensee (Übersicht & FAQ)
Bodensee Funkkanäle 16 / 77 / 06 – kurz & praxisnah
Die folgende Kurz-Tabelle ist bewusst „Skipper-tauglich“ gehalten: wofür der Kanal im Bodensee-Kontext gedacht ist und was du in der Praxis daraus machst.
| Kanal | Bedeutung am Bodensee | Praxis-Hinweis |
|---|---|---|
| 77 | Not- und Dringlichkeitsverkehr (Bodensee-Spezialität)) | Kein „Plauderkanal bzw. Bierkanal“. Wenn 77 frei ist: gut so – genau dafür ist er gedacht. |
| 16 | Anrufaufnahme / Notalarmierung (Notrufkanal) (je nach Regelwerk/Organisation) | Auf 16 wird „angefunkt“ – der weitere Notverkehr wird auf 77 geführt. |
| 06 | Besondere Nutzung, u. a. Koordination in Abstimmung (z. B. Veranstaltungen) | Nur nutzen, wenn es im Rahmen einer abgestimmten Organisation/Veranstaltung vorgesehen ist. |
Typische Fehler am Bodensee (und wie du sie in deiner Funkpraxis vermeidest)
- 77 als Urlaubs-„Plauderkanal“: am Bodensee tabu – im Zweifel stört es einen Einsatz.
- Auf 16 „durchfunken“: 16 ist keine Dauer-Quasselfrequenz. Kurz anrufen, dann auf den passenden Arbeitskanal wechseln.
- „Kanal-Logik“ aus anderen Revieren übernehmen: Bodensee hat eigene Regeln – einmal lesen spart Ärger und Missverständnisse.
- Zu viel Leistung auf kurzer Distanz: gerade im Hafen/nah am Gegenüber lieber niedrig senden (wenn Gerät das unterstützt).
Mini-Check: Welches Funkzeugnis passt zum Gerät an Bord?
- SRC – für Seefunkgeräte (UKW-Seefunk) mit DSC/MMSI.
- UBI – für UKW-Binnenfunkgeräte (ATIS).
- Kombi-Gerät (See + Binnen): in der Praxis wird das sauber gelöst, indem man die passende Bedienberechtigung für die genutzten Betriebsarten hat.
Wenn du die vollständige Entscheidungshilfe willst (ohne dass dieser Beitrag das Thema „übernimmt“): SRC oder UBI am Bodensee – Entscheidungshilfe
Funk sicher nutzen: Kurs, Praxis & Prüfung am Wochenende
Wenn du Funk nicht nur „bestehen“, sondern im Revier souverän anwenden willst: Präsenzunterricht mit echter Praxis am Gerät und amtlicher Prüfung direkt im Anschluss.
FAQ: Bodensee-Funk (Kanal 77, 16, 06)
Wofür ist Kanal 77 am Bodensee gedacht?
Am Bodensee ist Kanal 77 für Not- und Dringlichkeitsverkehr reserviert. Genau deshalb sollte er frei bleiben.
Welche Rolle hat Kanal 16 am Bodensee?
Kanal 16 dient vorrangig zur Anrufaufnahme/Notalarmierung. Der weitere Notverkehr wird am Bodensee auf Kanal 77 geführt.
Kann ich Kanal 06 einfach so nutzen?
Kanal 06 wird im Bodensee-Kontext nur in passenden, abgestimmten Szenarien genutzt (z. B. im Rahmen einer Veranstaltung). Ohne Anlass/Abstimmung: Finger weg.
Welches Funkzeugnis brauche ich für den Bodensee?
Das hängt am Funkgerät (See-Betriebsart/DSC → SRC; Binnen/ATIS → UBI). Die Kurz-Checkliste steht oben im Beitrag.