LRC · DSC · Seenotalarmierung
DSC-Notruf im LRC – vom digitalen Anruf zum MAYDAY
Feuer an Bord. Du bist weit draußen auf See. Du öffnest die rote Distress-Klappe und hältst die Taste gedrückt. Was passiert jetzt – und warum braucht man danach überhaupt noch Sprechfunk?
Was macht DSC eigentlich?
Technisch formuliert ist DSC – Digital Selective Calling – ein digitales Anrufverfahren, mit dem eine Funkverbindung eingeleitet wird.
Beim Seenotfall wird daraus der Distress Alert: ein digitaler Anruf mit höchster Priorität, der andere Funkstellen sofort auf den Notfall aufmerksam macht.
Peter Wörner · Inhaber und Ausbilder bei Radio Offshore
DSC ist zuerst einmal ein digitales Anrufverfahren
Beim klassischen Sprechfunk rufst du eine andere Funkstelle auf und bist darauf angewiesen, dass dort gerade jemand mithört.
DSC übernimmt diesen Anruf digital. Das Funkgerät der Gegenstation erkennt ihn und macht akustisch und optisch darauf aufmerksam.
Danach beginnt normalerweise der eigentliche Sprechfunk. Beim Distress Alert geschieht dasselbe mit höchster Priorität: DSC alarmiert – gesprochen wird anschließend.
Was sendet ein DSC-Distress Alert?
Bereits mit dem digitalen Seenotalarm können entscheidende Informationen übertragen werden.
MMSI
Die Maritime Mobile Service Identity zeigt eindeutig, von welcher Funkstelle der Alarm stammt.
Position
Ist die Navigation korrekt mit dem Funkgerät verbunden, kann die aktuelle Position automatisch in den Seenotalarm übernommen werden.
UTC
Zur übertragenen Position gehört auch die entsprechende Zeit. Beide Angaben müssen zuverlässig am Gerät anliegen.
Nature of Distress
Wenn die Situation es zulässt, kann zusätzlich die Art der Notlage ausgewählt werden.
Vom Distress Alert zum gesprochenen MAYDAY
Der Tastendruck ist der Beginn des Ablaufs, nicht sein Ende.
Digital alarmieren
Der DSC-Distress wird ausgesendet. Wenn möglich werden Position, UTC und Art der Notlage vorher kontrolliert.
Zum Sprechfunk
Danach geht der Notverkehr auf der zum verwendeten Band gehörenden Sprechfunk-Notfrequenz weiter.
Die Lage erklären
Im MAYDAY-Verkehr folgen Identität, Position, Art der Notlage und die benötigte Hilfe.
Warum folgt nach DSC noch ein MAYDAY?
Der digitale Alarm kann bereits wichtige Daten übertragen. Er erklärt aber nicht die gesamte Situation. Deshalb folgt der gesprochene Notverkehr.
DSC und Sprechfunk müssen zusammenpassen
Der digitale Anruf und der anschließende Sprechfunk gehören grundsätzlich zum selben Frequenzband.
Bandtreue – einfach gedacht
Wird der DSC-Distress beispielsweise auf der MF-Frequenz 2187,5 kHz gesendet, geht der anschließende Sprechfunk auf der dazugehörigen Notverkehrsfrequenz weiter.
Auf Kurzwelle gilt dasselbe Prinzip. Du wechselst nicht beliebig in ein anderes Band, sondern bleibst beim passenden Frequenzpaar.
MF / 2 MHz
DSC: 2187,5 kHz
→
Sprache: 2182 kHz
HF
DSC auf dem gewählten HF-Band
→
passende Sprechfunk-Notfrequenz
desselben Bandes
UKW
DSC: Kanal 70
→
Sprache: Kanal 16
Mittelwelle, Grenzwelle, Kurzwelle und die Frequenzwahl erklären wir ausführlicher unter MF/HF-Seefunk →
DSC-Fehlalarm – und jetzt?
Solange kein Fehlalarm passiert, klingt dieses Thema ziemlich theoretisch. Wenn aber doch versehentlich ein Distress Alert rausgeht, ist plötzlich keine Zeit mehr, erst nachzulesen, wie man ihn wieder sauber aufhebt.
Genau dann zeigt sich, ob man DSC nur schon einmal gesehen hat oder wirklich weiß, was zu tun ist.
Der Distress war ein Fehler – wie bekomme ich das wieder gerade?
-
Aussendung stoppen beziehungsweise zurücknehmen.
Je nach Anlage steht dafür eine Cancel- oder Self-Cancel-Funktion zur Verfügung. -
Auf die zugehörige Sprechfunk-Notfrequenz gehen.
Auf UKW Kanal 16, auf MF 2182 kHz, auf HF die passende Notverkehrsfrequenz des betroffenen Bandes. -
Den Fehlalarm per Sprechfunk aufheben.
Schiff eindeutig identifizieren und klar mitteilen, dass keine Seenotlage besteht. -
Weiterhören.
Nicht sofort abschalten, sondern auf Rückfragen oder Anweisungen reagieren.
Die einfache Regel: Nicht ausschalten und hoffen. Wer einen Fehlalarm ausgelöst hat, muss ihn auch wieder sauber aus der Welt schaffen.
Genau dafür lohnt sich praktische LRC-Ausbildung
Auf dem Papier sieht DSC überschaubar aus: Distress-Taste drücken, Frequenz wechseln, MAYDAY sprechen.
In der Praxis kommen aber mehrere Dinge gleichzeitig zusammen: Gerätebedienung, Frequenzwahl, Position, Zeit, Sprechfunk und die Frage, was zu tun ist, wenn etwas nicht nach Plan läuft.
Ein falsches Band, eine fehlende Position, ein versehentlich ausgelöster Distress oder Unsicherheit beim nächsten Schritt machen aus einer einfachen Theorieaufgabe sehr schnell eine reale Entscheidung.
Wo geht es weiter?
DSC ist nur ein Teil des GMDSS. Die angrenzenden Themen haben deshalb ihre eigenen Seiten.
MF/HF-Seefunk
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